Fremdbestimmt bis in den Tod

Neu entdecktes Filmdokument in der Siegfried-Wagner-Ausstellung

Siegfried Wagners Leben war eine endlose Gratwanderung zwischen äußeren Zwängen und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Die Gralshüter-Ideologie der Familie, der eigene Wunsch, sich als Architekt oder Komponist zu verwirklichen und nicht in der Erbpflicht als Festspielleiter aufzugehen, die homosexuelle Orientierung, der das Strafgesetzbuch und die dynastischen Erwartungen der Familie entgegenstanden – all diese Konfliktfelder sind in der aktuellen Sonderausstellung „Siegfried Wagner. Der fremdbestimmte Sohn“ reichhaltig dokumentiert. Die sensibel gestaltete Präsentation der Schweizer Kuratorinnen Dr. Verena Naegele und Sybille Ehrismann hat seit ihrer Eröffnung im Juni  2019 zahlreiche Besucher angelockt und in den Medien ein breites und begeistertes Echo gefunden.

Siegfried Wagner

Seit kurzem ist die Ausstellung um ein erst jüngst aufgetauchtes Fundstück bereichert, in dem sich die Lebensproblematik des „Meistersohns“ wie in einem Brennglas bündelt. Es handelt sich um Amateurfilmaufnahmen von Siegfrieds Begräbnis am 7. August 1930. Der Festspielleiter und Regisseur war mitten während der Festspiele 1930 im Alter von nur 61 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Wie der Film zeigt, wurden dem Verächter offiziöser Zeremonien bei seinem Begräbnis pompöse Ehren zuteil, nicht zuletzt auch militärische. In den Trauerzug mischte sich zum Beispiel die „Spielschar Ekkehard“ des völkischen Aktivisten und Antisemiten Gerhard Roßbach. Ob das im Sinne des Verstorbenen war, ist durchaus fraglich. Gegen Ende der 1920er Jahre scheint sich Siegfried Wagner von Hitlers Nationalsozialismus zunehmend distanziert zu haben. So ist es bemerkenswert, dass der jüdische Wotan-Interpret Friedrich Schorr einer der Auserwählten war, die Siegfrieds Sarg tragen durften. Wegen dieser Personalie war Adolf Hitler seit 1925 den Festspielen ferngeblieben – und erschien auch nicht zu der Beerdigung.

Die Filmaufnahmen stammen aus dem Nachlass der Schweizer Reitsportlerin und Amateurfotografin Renée Schwarzenbach-Wille (1883–1959). Das vielsagende Zeitdokument wird in der Graupaer Sonderausstellung erstmals öffentlich gezeigt. Zu sehen ist es noch bis zur Finissage der Ausstellung am 16. Februar 2020.

Wer mehr über Siegfried Wagners Leben und Werk erfahren möchte, sollte sich drei wichtige Termine notieren:

  • 12. Januar 2020 | 15 Uhr: Junge Stimmen aus der Liedklasse von Prof. Olaf Bär präsentieren Lied-Gut zwischen Romantik und Moderne. Neben Werken von Wolf, Strauss, Schönberg und Kunad werden drei äußerst selten aufgeführte Lieder von Siegfried Wagner zu hören sein.
  • 12. Januar 2020 | 17:15 Uhr: Im Anschluss an das Konzert bietet Dr. Wolfgang Mende, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hauses, eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung an. U. a. wird er das neu entdeckte Filmdokument von Siegfried Wagners Beerdigung vorstellen. Für die Führung wird ein Unkostenbeitrag von 3 EUR erhoben.
  • 17. Januar 2020 | 16:30 Uhr: Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung mit Dr. Wolfgang Mende, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hauses. U. a. wird er das neu entdeckte Filmdokument von Siegfried Wagners Beerdigung vorstellen. Für die Führung wird ein Unkostenbeitrag von 3 EUR erhoben.
  • 16.02.2020 |15 Uhr: Gibt es versteckte Codes des Homosexuellen in der Musik? Hat Siegfried Wagner solche in seine Opern hineingeheimnisst? Wer sich für diese knifflige Frage interessiert, sollte sich die zweite Ausgabe des im Oktober 2019 erfolgreich gestarteten WagnerCafés nicht entgehen lassen. Der Dramaturg und Journalist Roland H. Dippel wird unter der Leitfrage „Lichtgestalten für Schwule?“ in den autobiographischen Kosmos von Siegfried Wagners Opern eintauchen.

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01796 Pirna OT Graupa

Telefon: 03501 461 965-0
E-Mail: wagnerstaetten@pirna.de

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