Graupaer Schatzfund mit Rätsel

Uraufführung einer Liedkomposition des Deutsch-Böhmen August Stradal

August Stradal

Haben Sie schon einmal das Wort „fahen“ gehört? Nein? Kein Grund zum Rotwerden – das Verb ist schon lange außer Gebrauch. Eine kleine Chance, es zu kennen, haben am ehesten passionierte Wagnerianer, allerdings nur die ganz „bibelfesten“. „Fühltest du dann nicht grieselnd Grausen die Glieder dir fahen?“ stabreimt Mime einmal knorrig zu Siegfried.

Ein Wagnerianer von solchem Schlage muss der Pianist, Arrangeur und Komponist August Stradal (1860–1930) gewesen sein. Der im nordböhmischen Teplitz Geborene hatte in Wien bei Anton Bruckner studiert. In den letzten Lebensjahren Franz Liszts war er dessen bevorzugter Schüler. Bekannt wurde Stradal als Autor von Memoiren über seine berühmten Lehrer und als Verfasser hunderter Klavierbearbeitungen von Werken Liszts, Bruckners, Wagners und vieler anderer. Um die Jahrhundertwende verkehrte er mit seiner Frau, der Liedsängerin Hildegard Stradal, geb. Zweigelt, in den illustren Künstlerkreisen Wiens. Durch die Wirren des Ersten Weltkriegs verlor das Ehepaar den Zugriff auf sein Vermögen und musste schweren Herzens das mondäne Leben in der einstigen Habsburgermetropole aufgeben. Zuflucht fanden die beiden 1919 im nordböhmischen Schönlinde, dem heutigen Krásná Lípa, wo Hildegard Stradal ein Haus geerbt hatte.

Der Wiederentdeckung der so facettenreichen, aber weitgehend vergessenen Biographie August Stradals widmet sich derzeit ein von der Euroregion Elbe/Labe gefördertes Projekt der Stadt Krásná Lípa, bei dem die Richard-Wagner-Stätten Partner sind. Bei zwei gegenseitigen Exkursionen im September 2019  konnten Reiselustige aus Pirna und Krásná Lípa den kulturellen und landschaftlichen Reichtum der jeweils anderen Stadt kennenlernen.

Anfang 2020 folgt nun ein musikalischer Austausch. Am 24. Januar können Interessenten kostenlos eine Fahrt nach Rumburk unternehmen und um 18 Uhr im Kulturhaus von Krásná Lípa ein Konzert erleben.

Am 9. Februar, 15 Uhr, gibt es dann das Gegenkonzert im Graupaer Schlosssaal. Auf dem Programm steht jeweils Musik von August Stradal und seinem Umfeld (Wagner, Strauss, Debussy u. a.). Höhepunkt wird die (mutmaßliche) Uraufführung eines nicht veröffentlichten Lieds des Komponisten sein, dessen Handschrift jahrzehntelang im Bestand des Richard-Wagner-Museums schlummerte. Dank des binationalen Projekts wird es nun mit neuem Leben durchhaucht. Es ist eine Vertonung des Goethe‘schen Klagegedichts „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“. Der verzweifelte Tonfall würde auf die Zeit nach Stradals Umzug nach Schönlinde passen, den das Ehepaar als Härte des Schicksals empfand. Eine Kette schmachtender Tristan-Akkorde macht diese Verzweiflung überaus sinnfällig. In der Komposition „wagnert“ es aber auch an anderer Stelle: in dem handschriftlichen Titelzusatz, über dessen Entzifferung wir ziemlich lange gebrütet haben. Stradal hat die Goetheverse nämlich nicht „in Musik gesetzt“, sondern „in Musik gefaht“.

Achso, jetzt sind wir natürlich noch die Auflösung des Rätsels schuldig:
„fahen“ ist ein altes Wort für „fassen“, „fangen“

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Tschaikowskiplatz 7
01796 Pirna OT Graupa

Telefon: 03501 461 965-0
E-Mail: wagnerstaetten@pirna.de

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1. November bis Gründonnerstag
Di – Fr: 11 – 17 Uhr
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31. Dezember: 13 - 17 Uhr
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