175 Jahre Tannhäuser

Sonderausstellungen zum Uraufführungsjubiläum

„Tannhäuser“ ist Wagners Dresdner Werk par excellence – konzipiert und ausgearbeitet in Dresden und der angrenzenden sächsisch-böhmischen Region, am 19. Oktober 1845 uraufgeführt am Dresdner Hoftheater, mit sängerischer Starbesetzung und kostspieligen Dekorationen aus Paris.

Über den Erfolg dieser Produktion liest man ganz Unterschiedliches: mal heißt es, sie sei ein Triumph für den Komponisten gewesen, mal wird sie als Achtungserfolg bilanziert, mal als Reinfall. Wer das genauer herausfinden möchte, verliert sich schnell im Dickicht einer parteiischen Presse, in Hinweisen auf organisierte Claqueure und Opponenten im Publikum und nicht zuletzt in Wagners strategisch frisierter Biographik.

Fest steht immerhin, dass es einige Male enthusiastischen Beifall gab, und – das wohl härteste aller Indizien – dass sich das Werk mehrere Jahre im Repertoire halten konnte. Unübersehbar ist auch, dass Freund wie Feind das Werk als etwas Außergewöhnliches, die Gemüter Erregendes wahrnahmen.

Sonderausstellungen

Johannes Heisig – Denn unversiegbar ist der Bronnen

Johanes Heisig – Denn unversiegbar ist der Bronnen

Wer das Aufwühlende dieses Werks, seine existenziellen Fragen von Lust und Entsagung, Anpassung und Widerstand, Gesetz und Gnade, Sünde und Erlösung inspirierend nachempfinden möchte, darf sich die Sonderausstellung „Denn unversiegbar ist der Bronnen“ im Graupaer Jagdschloss nicht entgehen lassen. Sie zeigt einen Zyklus expressiver Grafiken zu „Tannhäuser“ des früher in Dresden wirkenden, heute in Brandenburg lebenden Künstlers Johannes Heisig. Entstanden im Wagner-Jubiläumsjahr 2013, fokussiert er in zehn Stationen prägnante Momente des Werks, jeweils geklammert an Zitate aus Wagners Operntext.

Noch aufwühlender ist das Monumentalgemälde „Lizard King“. Es projiziert Motive aus „Tannhäuser“ in ein apokalyptisch anmutendes Weltpanorama. Wer möchte, kann sich über Stunden in die expressive Kraft und den Anspielungsreichtum des Werks versenken. Er kann ein Zitat aus Hieronymus Boschs höllischem „Garten der Lüste“ entdecken, mit seinen zu Teufelswerkzeugen entstellten Musikinstrumenten – und über das Betörende von Wagners Musik reflektieren, die schon im 19. Jahrhundert von manchen als berauschende, von anderen als gefährliche Droge empfunden wurde. Zu erkennen sind auch Reflexe von Robert Sterls berühmten Porträts des Dirigenten Ernst Schuch mit der sächsischen Hofkapelle. All dies scheint sich zur Vision eines Weltorchesters zu verdichten, verstörend eingespannt in einen Symbolhorizont zwischen christlicher Jenseitshoffnung und dem Abgrund eines Konzentrationslagers. Rätselhaft ragt aus diesem Strudel der Kopf einer Eidechse empor – ein faszinierend deutungsoffenes Symbol, das der Maler mit dem Titel „Lizard King“ in das Zentrum seines Werks gerückt hat.

Mehr zur Ausstellung erfahren

Tannhäuser – Von der Skizze bis zur Oper

Schenkung3

Nüchterner, aber nicht weniger spektakulär geht es in der zweiten Sonderausstellung zu „Tannhäuser“ zu. Im zentralen Säulengeviert des Gewölbes im Lohengrinhaus ist das kostbarste Stück der Sammlung ausgestellt: ein originales Skizzenblatt zu „Tannhäuser“ von der Hand des Komponisten. Notiert ist auf ihm ein Abschnitt aus dem Schluss des zweiten Aktes. Das Blatt wurde von der Wagner- und Frauenforscherinnen Eva Rieger 2018 bei einer Auktion ersteigert und 2019 an Wagners Geburtstag feierlich dem Museum übergeben. Davor hatte es sich seit seiner Entstehung unzugänglich in Privatbesitz befunden. Es wird nun erstmals einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Die Beschäftigung mit dem frischen Dokument hat bereits interessante Geschichten zu Tage gefördert. Entstanden ist das Blatt höchstwahrscheinlich gar nicht weit vom jetzigen Aufbewahrungsort, nämlich auf der anderen Seite des in Graupa endenden Elbhangs. Der mit Wagner befreundete Chordirektor Wilhelm Fischer hatte ihm im Herbst 1844 sein Sommerhaus auf dem Loschwitzer Weinberg zu einem Erholungsurlaub überlassen. Ähnlich wie zwei Jahre später in Graupa inspirierte den Komponisten diese Idylle zu kreativer Arbeit und er skizzierte hier den zweiten Akt des „Tannhäuser“.

Die Spuren des Dokuments führen interessanterweise auch zu Siegfried Wagner, den die Richard-Wagner-Stätten letztes Jahr mit einer Sonderausstellung bedacht haben. Ein Auktionskatalog aus dem Jahr 1956 brachte ans Licht, dass das Skizzenblatt damals mit einer Echtheitsbestätigung von Wagners Sohn versteigert wurde (die heute rätselhafterweise verschwunden ist). Ähnliche Zertifikate aus den frühen 1920er Jahren deuten darauf hin, dass der Bayreuther Erbe in dieser Zeit einzelne Skizzenblätter aus dem Familienarchiv veräußerte, um Sponsoren für das seit 1914 brachliegende Festspielunternehmen zu gewinnen. Womöglich hat auch Eva Riegers Blatt diesen Weg genommen, und ist dadurch fast ein Jahrhundert lang dem Blick der Öffentlichkeit und der Forschung entzogen worden.

Aus dem Blatt lässt sich ersehen, dass Wagner – in seiner privaten Lebensführung eher zu Risiko und Chaos neigend – beim Komponieren ein hochdisziplinierter Arbeiter war. Das Skizzenblatt ist erstaunlich sauber geschrieben und zeigt eine frappierende Übereinstimmung mit der Endfassung der Oper. Nichtsdestoweniger ließ Wagner dieser ersten Kompositionsskizze eine zweite, weiter ausgearbeitete Gesamtskizze folgen. Dies ermöglichte ihm, die endgültige Partitur in vollendeter Akkuratesse und Schönheit zu schreiben. Im Fall des „Tannhäuser“ war das auch nötig, weil aus Wagners Manuskript unmittelbar die lithografische Druckvorlage hergestellt wurde. Eines der wenigen erhaltenen Exemplare dieses (für Wagner finanziell ruinösen) Drucks ist als Leihgabe der SLUB Dresden in der Ausstellung zu bewundern.

Zu den beiden ausgestellten Preziosen gibt es eine optisch ansprechend gestaltete Begleitausstellung der Schweizer Agentur artes. Die Kuratorin Verena Naegele, die schon mehrfach für die Richard-Wagner-Stätten tätig war, geht darin vor allem den Inspirationsquellen nach, die Wagner in der sächsischen und böhmischen Landschaft fand. Mitunter überraschende Bildzeugnisse komplettieren den Jubiläumsbeitrag der Richard-Wagner-Stätten zu dem zentralen Opus der Dresdner Kapellmeisterjahre.

Mehr zur Kabinettausstellung erfahren

Kontakt

Postanschrift

Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH
Richard-Wagner-Stätten Graupa
Tschaikowskiplatz 7
01796 Pirna OT Graupa

Telefon: 03501 461 965-0
E-Mail: wagnerstaetten@pirna.de

 

Die Richard-Wagner-Stätten Graupa bleiben von 2. bis 30. November geschlossen.

 

Öffnungszeiten

Karfreitag bis 31. Oktober
Di – Fr: 11 – 17 Uhr
Sa/So/feiertags: 10 – 18 Uhr

1. November bis Gründonnerstag
Di – Fr: 11 – 17 Uhr
Sa/So/feiertags: 10 – 17 Uhr

Sonderöffnungszeiten
24. Dezember: 10 - 14 Uhr
25. und 26. Dezember: 13 - 17 Uhr
31. Dezember: 13 - 17 Uhr
1. Januar: 13 - 17 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung.

Newsletter

Hier können Sie den
Newsletter abonnieren.
Sie erhalten dann die nächste Ausgabe.