Ein Museum im Lockdown

Endlich ist es soweit: unser Museum ist seit dem 3. Juni wieder geöffnet, auch im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge liegen die Inzidenzzahlen mittlerweile stabil unter 35. Wer hätte es Anfang November für möglich gehalten, dass uns eine Winterpause von ganzen sieben Monaten bevorstehen würde! Aber Ausnahmesituationen erfordern eben außergewöhnliche Maßnahmen.

Das Verlassen der Routine eröffnet immer auch Chancen. Und so lagen die Richard-Wagner-Stätten nur von außen betrachtet im Winterschlaf. Um den Kontakt zur Außenwelt wenigstens virtuell nicht abreißen zu lassen, haben wir während des Lockdowns unsere Galerie an Erklärvideos zu einzelnen Museumsexponaten erweitert und den Kulturadventskalender der Stadt Pirna mit zwei Ausgrabungen Wagnerscher Weihnachtskompositionen bereichert.

Intern konnten wir trotz Kurzarbeit vieles realisieren, was sonst kaum möglich gewesen wäre. Eine gute Portion unserer Arbeitszeit ist in die Ausstellung „Mythos Schwan“ geflossen, die am 22. April virtuell eröffnet hat. Es war für uns eine große kulturgeschichtliche Entdeckungsreise in 40.000 Jahre (!) Menschheitsgeschichte, Mythologien von Island bis Indien, Kunst von der Antike bis zur frühen Moderne und auch in entlegenere Regionen des Wagner-Kosmos. Es gab zahllose Anfragen an Exponat- und Bildgeber, eine kreative Zusammenarbeit mit Roland Kutz von der Potsdamer Graphikagentur webreform, ein wunderbares Zusammenwirken unseres ganzen Teams, das vor allem bei der Dekoration des Sonderausstellungsraumes einiges an Geschick und Erfindungsgeist an den Tag gelegt hat.

Eine nachhaltige Neuerung, die wir für diese Sonderausstellung entwickelt haben, ist eine interaktive Multimedia-Station. Über einen großformatigen Touchscreen können Musiktitel angewählt werden und dazu kommentierende Erläuterungen, Vokaltext oder der Notentext aufgerufen werden. Dank der Findigkeit unseres Marketingmitarbeiters Paul Tittel kann das Gerät auch bei künftigen Ausstellungen ohne allzu großen Aufwand mit neuen Inhalten bestückt werden.

Mit Hilfe einer größeren Zuwendung der Stadt Pirna konnten wir Anfang des Jahres auch eine umfassende Sanierung der Multimedia-Technik in der Dauerausstellung durchführen. Mit neuen Rechnern und aktualisierter Software wurden sie für den nächsten digitalen Generationszyklus fit gemacht. Außerdem wurden einige kleinere Mängel behoben, die sich nach acht Jahren Dauernutzung eingeschlichen haben. So ist die Projektion des Holographietheaters nun wieder deutlich klarer – wie bei einem restaurierten Film lohnt es sich, die Szenen wieder einmal frisch anzuschauen.

Katja Pinzer-Hennig hat sich Wagners während seines Graupaer Aufenthalts geschriebenen Briefen gewidmet und sie in einem Heft zusammengetragen, das ab sofort in der Ausstellung ausliegt. Hintergrundinformationen dazu finden Sie in einem Bericht, den sie für diesen Newsletter verfasst hat. Und auch unsere Mitarbeiterin Kerstin Tauche hat während der Winterruhe Nachhaltiges geschaffen. Sie hat die Katalogisierung unserer Mediatheksbestände entscheidend vorangetrieben, insbesondere unsere Sammlung von über 300 Schellackplatten vorbildlich erfasst und archiviert. Diesen Schatz werden wir schon bald zum Klingen bringen. Für das Jahr 2022 ist eine Ausstellung zu historischen Wagner-Aufnahmen und Abspieltechniken geplant, die Katja Pinzer-Hennig kuratieren wird.

Auch unsere Kollegen vom Veranstaltungsservice der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH haben den Lockdown kreativ genutzt. Sie betrieben von April bis 21. Juni in der Remise des Schlosshofs ein Corona-Testzentrum, das sich reger Nachfrage erfreute. Die Öffnungszeiten des Museums waren darauf abgestimmt und sind deshalb gegenüber früher leicht verändert.

Der Neustart kam zwar spät, aber wenigstens meteorologisch war er perfekt getaktet. Zur Zeit strömt wohlig warme Frühlingsluft in unsere noch winterkühlen Gemäuer. Oder, um noch einmal Wagners herrliche Walkürenpoesie zu bemühen: „Du bist der Lenz, nach dem ich verlangte in frostigen Winters Frist.“

Wolfgang Mende

Kontakt

Postanschrift

Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH
Richard-Wagner-Stätten Graupa
Tschaikowskiplatz 7
01796 Pirna OT Graupa

Telefon: 03501 461 965-0
E-Mail: wagnerstaetten@pirna.de

Öffnungszeiten Jagdschloss Graupa

Do/Fr/Mo: 11 – 17 Uhr
Sa/So/feiertags: 10 – 17 Uhr

Öffnungszeiten Lohengrinhaus

Do/Fr/Mo: 12 – 17 Uhr
Sa/So/feiertags: 11 – 17 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung.

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