Die Tasten- und Programmvirtuosin Ragna Schirmer entführt in den Beethoven-Mythos des 19. Jahrhunderts

Pianistisches Genie kann weit mehr bedeuten als „nur“ virtuose Brillanz und bezwingenden Ausdruck. Auch die Kreation origineller Programme kann zu einer Kunstform eigenen Rechts werden. Eine Ausnahmeerscheinung auf diesem Gebiet ist – zusätzlich zu aller technischen Meisterschaft – Ragna Schirmer. Zum Clara-Schumann-Jubiläum im vergangenen Jahr hat sie in monatelangem Quellenstudium sämtliche Konzertprogramme der Grande Dame der Pianistik des 19. Jahrhunderts ausgewertet und daraus ungewöhnliche Programmfolgen entwickelt. Die anders gearteten Erlebnisformen der Romantik konnten so für das Publikum neu lebendig werden. Für ihr forschendes Konzertieren wurde Ragna Schirmer 2019 mit dem Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau ausgezeichnet.

Ragna Schirmer

Zum Beethovenjahr 2020 dürfen sich die Besucher des Graupaer Jagdschlosses nun auf eine neue exklusive Programmkreation der Pianistin freuen. Obwohl der Name Richard Wagners darin nicht auftaucht, schwebt sein Geist doch zwischen den Zeilen. Schließlich war Wagner einer der maßgeblichen Stifter des Beethoven-Mythos des 19. Jahrhunderts. Sein Wort von der „Apotheose des Tanzes“ fehlt in kaum einem Text über dessen 7. Sinfonie.  Heute steht dieses Werk etwas im Schatten der „titanenhaften“ Nummern 3, 5 und 9. Im 19. Jahrhundert zählte die 7. Sinfonie aber zu Beethovens populärsten Kompositionen. Wagner entdeckte an ihr als 14-Jähriger das Genie des für ihn schon bald so wichtigen Idols. Er bevorzugte sie später auch bei seinen eigenen Dirigaten. Und mehr noch: ein ungnädiger Plagiatjäger von heute käme wahrscheinlich ins Grübeln, ob er beim langsamen Satz aus Wagners früher C-Dur-Sinfonie nicht den Rotstift ziehen muss. Die Ähnlichkeit zu Beethovens ernst-erhabenem Allegretto aus der 7. Sinfonie ist nicht zu überhören.

Auch auf Robert Schumann übte dieser Variationensatz mit seinem manisch pulsierenden Schreitrhythmus eine unwiderstehliche Faszination aus. In den Jahren 1833 bis 1835 komponierte er über sein Hauptthema eigene, teils halsbrecherische Etüden in Variationenform, die Ragna Schirmer als Rarität präsentieren wird. Schumann ließ die phantastischen Klanggebilde letztlich in der Schublade, vielleicht um ganz bewusst aus dem Schatten des Übervaters der Musik des 19. Jahrhunderts hinauszutreten.

Die epochale Wirkung von Beethovens Geniestreich konnte er damit selbstverständlich nicht stoppen. Sie reicht bis in unsere Gegenwart, und dies bis in die Popularkultur hinein. In Tom Hoopers berührendem Historienfilm „The King’s Speech“ ist Beethovens Allegretto aus der 7. Sinfonie der legendären Widerstandsrede des britischen Königs Georg VI. nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterlegt. Der US-amerikanische Komponist John Corigliano, der sich ungezwungen in allen Musikgenres bis hin zur Filmmusik bewegt, schuf 1985 über dasselbe Beethoven?sche Ostinato-Thema eine faszinierende Klavierfantasie mit Berührungspunkten zur Minimal Music.

Ragna Schirmers hintersinnige Kombination von Coriglianos Fantasie mit Beethovens letzter Klaviersonate op. 111 wird sichtbar machen, dass dieses legendenumwobene Spätwerk selbst Züge der Minimal Music vorwegnimmt. Die seltsame Paarung eines grüblerisch-kantigen Kopfsatzes mit einem langsamen Variationensatz, in dem sich alle Motivstruktur in irisierendes Lichtspiel auflöst, befremdete Beethovens Zeitgenossen. Richard Wagner interpretierte das rätselhafte Satzpaar als Überwindung des schmerzhaft-heroischen Willens durch den „besänftigten Willen, wie der Mensch ihn haben wird, wann er vernünftig geworden ist!". Mit dieser philosophischen Deutung bereitete er den Boden für den phänomenalen Aufstieg dieser Komposition zu einer Ikone der klassischen Musik im 20. Jahrhundert.

Ragna Schirmer hat die Karten für einen fulminanten Auftakt des Beethovenjahres in den Richard-Wagner-Stätten intelligent gemischt.

Sa | 22. Februar | 15 Uhr | Klavierkonzert mit Ragna Schirmer

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