Graupa erhält hochkarätige Sammlung

Die Richard-Wagner-Stätten dürfen sich im Mai dieses Jahres erneut auf eine spektakuläre Schenkung freuen. Durch Vermittlung der Wagner-Forscherin Eva Rieger gelangt ein Großteil der hochkarätigen Sammlung des Wagner-Biographen Ulrich Drüner nach Graupa. Eva Rieger hat in den vergangenen Jahren das Museum wiederholt mit hochkarätigen Preziosen bedacht. 2016 schenkte sie den Wagner-Stätten neun Briefe Minna Wagners, 2019 folgte ein wertvolles Skizzenautograph zur Oper „Tannhäuser“, 2021 ein originaler Brief Wagners an seinen Kapellmeisterkollegen Reißiger. Im Oktober 2021 war es unserem Haus eine große Ehre, auf Eva Riegers Wunsch Austragungsort des Symposiums „Frauen im Wagner-Kosmos“ zu werden. Die Pionierin der musikwissenschaftlichen Gender-Forschung wurde dort für ihr wissenschaftliches Lebenswerk geehrt.

Titelblatt Rheingold

Thema verfehlt – Erstdruck des „Rheingold“-Klavierauszugs mit dem ursprünglichen, von Wagner wegen des „gothischen Styls“ beanstandeten Titelblatt. Das Exemplar der Sammlung Drüner ist eines der wenigen noch nachweisbaren dieser Fehlausgabe. (Foto: Ulrich Drüner)

Ulrich Drüners Wagner-Sammlung wurde kürzlich von der in Liechtenstein ansässigen BAREVA-Stiftung erworben, mit der Bestimmung sie an das Graupaer Museum zu schenken. Die Stiftung geht auf die 2001 verstorbene Philanthropin Mariann Steegmann zurück, die sich besonders für die kunst- und musikwissenschaftliche Frauenforschung einsetzte. Durch die kurz vor ihrem Tod gegründete Mariann Steegmann Foundation wurde u. a. die Graupaer Ausstellung „Siegfried Wagner – Der fremdbestimmte Sohn“ gefördert.

Ulrich Drüner ist in der Wagner-Forschung ein überaus klingender Name. Seine 2016 erschienene Biographie „Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens“ wird von vielen Kennern als Meilenstein gewertet. Der „Welt“-Kritiker Manuel Brug rühmte sie als „neues Standardwerk“, das „mit Akribie, immensem Wissen, gesundem Menschenverstand und bisweilen trockenem Witz" geschrieben sei. Drüner entlarvt darin den von Wagner um sich herum geschaffenen Opfermythos als ein taktisches Konstrukt, mit dem er sich materielle und künstlerische Vorteile verschaffte.

Ulrich Drüner, ehemaliger Bratschist der Stuttgarter Staatsoper, betätigte sich nicht nur als Musikwissenschaftler, sondern betrieb seit 1983 auch ein Musikantiquariat. So findet sich in seiner Wagneriana-Sammlung ein einzigartiges Zusammentreffen von fachlicher und antiquarischer Expertise. Für die Graupaer Mediathek wird vor allem die umfassende Kollektion des frühesten und frühen Schrifttums über Wagner eine wertvolle Bereicherung darstellen. Diese Quellenschicht wurde lange Zeit als verstaubt und tendenziös abgetan. Gerade in ihr liegt aber der Schlüssel zum Verständnis und zur Dekonstruktion des überkommenen Wagner-Bildes.

Selbstredend enthält die Sammlung zahlreiche bibliophile Kostbarkeiten. Dazu zählen über 30 Erstausgaben von Wagners Schriften und Briefsammlungen sowie ein gutes Dutzend zum Teil sehr seltene Erstausgaben der musikalischen Werke. Von herausragender Bedeutung für die Graupaer Ausstellungsarbeit werden etwa 60 Dokumente zur Wagner-Ikonographie sein, zudem ein gutes Dutzend historische Programme und Plakate sowie vor allem einige besonders kostbare Sammlungsstücke wie die originale Positiv-Glasscheibe eines berühmten Pariser Wagner-Porträts oder ein „Parsifal“-Albumblatt mit der skurrilen Aufschrift „Tempo Bayreuthico. [Viertel] = 1881.“

Die Sammlung soll am 22. Mai 2022, 11 Uhr, feierlich in Graupa im Beisein von Ulrich Drüner und Eva Rieger übergeben werden. Sie wird als „Wagner-Sammlung Ulrich Drüner“ ein eigenständiger Komplex unseres Museumsbestands werden. Die kustodischen und kuratorischen Endorphine sprudeln schon. Unser Team kann es kaum erwarten!

(Wolfgang Mende)

Kontakt

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Richard-Wagner-Stätten Graupa
Tschaikowskiplatz 7
01796 Pirna OT Graupa

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E-Mail: wagnerstaetten@pirna.de

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